Proteste gegen Hochschulkürzungen?

Die Bayerische Stattsregierung stellt ihren neuen Haushaltsplan auf. Der Haushalt soll weiter konsolidiert werden – Dazu braucht es Kürzungen.

An vorderster Front dabei ist eine kleine Protestgruppe der Studentenvertretung. Sie zeigen vor der Klausur Flagge gegen Kürzungen an den Hochschulen. Damit haben sie Erfolg: Die Unis kommen so gut wie ungeschoren davon.

Doch ist das ein Grund zu feiern? Ich meine: Jein, nicht unbedingt. Die Probleme könnten tiefer liegen, die Proteste die eigentlichen Schieflagen nur reproduzieren und die „Zusagen“ der Politik könnten sich als geschicktester Schachzug erweisen, den Scharz-Gelb spielen konnte.

Wahrhaft „um-die-Sache“ besorgt zu sein, wirklich „radikal“ zu sein sollte eigentlich bedeuten,  genau den traditionellen politischen „Normalbetrieb“ zu stören, oder sich ihn zumindest vor Augen zu führen und mal nach anderen Mustern Ausschau zu halten, der in dieses Dilemma geführt hat:

1. Denke ich, dass die Kategorien „mehr Geld“ (oder „nicht-weniger-Geld“) nicht die richtigen Bahnen für den Protest sind. Es gibt andere, wichtigere Schrauben, an denen gedreht werden muss. (z.b. die Bachelor-Regelstudienze…iten – Das kostet im Endeffekt natürlich auch Geld, aber der Diskurs muss von der anderen Seite her geführt werden.

2. Unis kosten Geld. Das Geld muss von der Gesellschaft als ganzes irgendwie an die Unis gebracht werden. Wenn Geld verteilt wird, wird automatisch auch immer UMverteilt, da kommt man gar nicht dran vorbei. Wenn man aber nur pauschal mehr Geld (oder eben keine Kürzungen) möchte, reproduziert man nur den semantischen Gleiche-Belastung-Für-Alle Trick.
Genau das passierte ja auch bei den Studiengebühren: Für Leute, die es sich Leisten können, spricht ja egtl nichts dagegen, mit Gebühren zur notwendigen Finanzierung der Unis beizutragen. Das Problem ist die Strukturelle Benachteiligung derer, bei denen die Wahrscheinlichkeit zu studieren eh schon niedriger liegt…
Dieses Argumentationsstrang geht aber (oder ist schon ca. seit letztem Winter) verloren. Letztlich betreibt man hier reine Interessenpolitik für eine konstruierte Allgemeinheit der Studenten, beruft sich aber im Endeffekt dann doch auch wieder auf ein konstruiertes Allgemeinwohl (á la „wir brauchen Akademiker für Deutschland (wahlweise Europa/die Zukunft/etc. pp)

3. Hat das Auswirkungen auf die Gestaltung des gesamten Universitären betriebs. Eine vollständig von der Finanzierung von dritten (der Staat ist so gesehen auch ein „dritter“) abhängige Universität trifft auch nicht grade die Definition von „Unserer Uni“, worunter ich mir eher etwas selbstverwaltetes autonomes vorstellen würde. Man muss sehen: Die universitäten waren auch früher eben NICHT wunderbare Horte von freigeistiger Intelligenz – im Gegenteil. Die Kürzungen tragen nur kurzfristig dazu bei, dass man das wieder spürt. Deswegen sollte man sich nicht unbedingt gegen die Kürzungen arrangieren sondern genau andersrum: Wenn die Mehrheit der Menschen sich dafür entscheidet, dass ein großer nach außen hin freidenkerischer akademischer Apparat -also das, was man gemeinhin als den großen Humboldt-Mythos hochstilisiert, was sich aber de facto dann doch eher als eine Reproduktionsmaschine sozialer Ordnung erweist – nicht mehr gewünscht ist, sollte man das eher akzeptieren und als Gelegenheit nehmen, das Verständnis von Uni wieder von dem wegzubewegen, was es ist (und wohl auch immer war).

Wenn die Gesellschaft die Uni in ihrer Rolle für die Reproduktion marginalisieren will – durch das zudrehen des Geldhahns – dann sollte man diese Loskopplung eigentlich mit offenen Armen Empfangen.

Das klingt jetzt vllt alles nach bemüht extravaganten-ultralinken Endzeitperspektiven – so ist es aber gar nicht gemeint, sondern durchaus ernst. Wenn es wirklich um Bildung gehen soll, MUSS die Rolle, die Position und die Einbindungen von Bildung für die moderne Gesellschaft mitbedacht werden. Das wäre viel wichtiger als der Streit um finanzielle Mittel. Deswegen bin ich noch nicht unbedingt für die Kürzungen, aber doch gegen ein plattes Gegen-die-Kürzungen-Sein.

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