Reihe: Hegemonie für Trotzkisten?, Teil I

Der argentinische Theoretiker Ernesto Laclau und die französische Philosophin Chantal Mouffe (LM) haben mit ihrer Theorie der Hegemonie für den akademischen marxistischen Diskurs eine wichtige Stellung – sogar eine Schlüsselstellung, wie wir zeigen wollen. Die Texte aus dieser kleinen Reihe sind als Einführung und Überblick gedacht und verstehen sich zunächst nicht als Teil einer theoretischen Auseinandersetzung, sondern als ein Beitrag zur Selbstschulung im Hinblick auf politische Praxis. Wir werden uns auf ein einziges zentrales Werk konzentrieren, nämlich das 1985 erschienene Hegemony & Socialist Strategy (das vielleicht etwas unglücklich als Hegemonie und radikale Demokratie übersetzt wurde – aber dazu kommen wir noch). Diese Reihe rekonstruiert die Argumente von LM im wesentlichen in deren Version. Sie versteht sich nicht als Positionsnahme für sondern als Darstellung von LM in den teils umstrittenen Punkten. Vieles davon fällt allerdings unter eine allgemeine Aufarbeitung der Geschichte des Marxismus, und schadet daher wohl auch nichts. Der Fließtext wird ohne Zitationen auskommen, die Gliederung folgt ohnehin im wesentlichen der Vorlage. Den Anstoß für diese Darstellung gibt die seltsame Unverbundenheit tatsächlicher linker Gruppierungen und neuerer marxistischer Philosophie. Wir wollen darauf hinwirken, diese beiden Seiten wieder stärker aneinander zu koppeln.

Teil I: Was ist Hegemonie?

Laclau und Mouffe verstehen sich als Versuch einer Antwort auf die sog. Krise des Marxismus, d.h. die Krise der zweiten Kommunistischen Internationale. LM rekonsturieren die 2te KomIntern als Ausdruck einer Krise der marxistischen Figur der „Notwendigkeit“. Zu dieser Zeit sei, so LM, klar geworden, dass sich der Kapitalismus nicht einfach so aus der historischen Notwendigkeit abschaffen würde. Es sei nicht mehr abzusehen gewesen, wann sich die ökonomische Basis der Gesellschaft so entwickeln würde, dass dabei eine politische Revolution zustande kommen könnte. Die Logik der historischen Notwendigkeit sei durch eine Logik der Kontingenz, abgelöst worden.
Die Theoretiker der 2ten KomIntern seien größtenteils an den politischen Herausforderungen, die so ein Wechsel mit sich brachte, gescheitert. Der einzig sinnvolle Ausweg aus dem historischen Dilemma wäre laut LM die Anerkennung und Nutzbarmachung des Mechanismus der Hegemonie, der, auf anderen Grundlagen als noch der klassische Marxismus, in der Lage sei, einer sozialistische Politik zum Erfolg zu verhelfen. Um diese beiden Behauptungen zu belegen, beginnen LM mit der Interpretation einiger prominenter marxistischer Autoren dieser Zeit. LM wollen zeigen, in welcher Weise die Autoren dieser Zeit auf die Krise des Marxismus antworten.

a) Rosa Luxemburgs Antwort
Die erste Autorin in dieser Reihe ist Rosa Luxemburg. LM untersuchen, woran Luxemburgs Theorie scheitert und wie in ihr bereits das Konzept der Hegemonie enthalten ist. Ein wichtiges Element der Luxemburgschen Theorie besteht in der Thematisierung der regionalen Unterschiede in der bürgerlichen Gesellschaft und den entsprechenden Effekten auf die Identitätsbildung der Arbeiterklasse. Luxemburg analysiert, dass die Besonderheit der tsaristischen Gesellschaft Russlands darin besteht, jeden noch so kleinen und begrenzten Aufstand zu einer Frage ums Ganze werden zu lassen. Das ergibt sich durch die kaum entwickelten bürgerlichen Freiheitsrechte in Russland, wie Pressefreiheit, freie Rede usw. In einem derart repressiven Umfeld wird jede Artikulierung eines Willens zur Reform von der herrschenden Macht als Herausforderung des bestehenden Systems insgesamt gesehen. Egal ob der Kampf sich um Versammlungsfreiheit, Lohn oder auch um liberale Abwehrrechte dreht – der absolute, tsaristische Staat reagiert immer reflexhaft mit totaler Ablehnung. Durch dieses Verhalten fordert er sowohl die Einheit von bürgerlichen Kämpfen als auch die Einheit der Arbeiterklasse. Indem er jede Auflehnung, ohne ansehen des jeweiligen Inhalts „gleich“ behandelt verhindert er paradoxerweise die Spaltung der Arbeiterklasse. Der Staat, so könnte man sagen, produziert hier die Einheit der Klasse.
Ganz anders ist für Luxemburg aber die Situation in Deutschland – hier produziert der Staat durch verschiedene Maßnahmen, wie Sozialgesetze, individuelle Rechte etc. nicht die Einheit, sondern die Trennung der Arbeiterklasse. Luxemburg scheitert hier daran, dieses Verhältnis systematisch auszubuchstabieren, und appelliert daher einfach an die Beschleunigung der kapitalistischen Entwicklung, um die erhofften einheitlichen Linien schneller zu erzeugen und an die politische Spontaneität, um regelmäßig den Zustand dieser Entwicklung zu überprüfen.
Ein zentraler Begriff ist in diesem Zusammenhang der Begriff der Subjektposition. LM wollen damit die unterschiedlichen und zersplitterten Positionen bezeichnen, die die verschiedenen Sektoren einer potentiellen revolutionären Masse in der vorrevolutionären Zeit haben. Eine Subjektposition beinhaltet eben nicht nur die ökonomische, sondern auch die politische, kulturelle usw. Lage verschiedener Personengruppen. Laut LM müssen mehrere dieser Positionen zu einer Strömung zusammengeführt werden, um eine politische Revolution zu erreichen. Allerdings, und damit sind wir mitten in einem neuen Dilemma, geht dadurch möglicherweise der Klassencharakter dieser Revolution verloren.
Interessanterweise rücken damit bei Luxemburg schon die Herstellung der revolutionären Situation und die Durchführung der Revolution sehr nahe zusammen. Man könnte fast behaupten, dass die Revolution überhaupt und ausschließlich nur noch aus der Herstellung einer wirklich revolutionären Situation selbst besteht. Das ist eine frühe Konzeption von Hegemonie: Die politische Herstellung einer revolutionären Situation, weil die ökonomische Situation alleine noch nicht zu Umwälzungen führen kann.
Dadurch entsteht aber eine seltsame Situation: Die Logik des ökonomischen reicht alleine nicht aus, um eine Arbeiterrevolution zu erreichen. Die Logik des politischen Raumes aber kann ja alleine nicht verbürgen, dass es wirklich eine Arbeiterrevolution sein wird. Luxemburgs Theorie sei deswegen keine ausreichende Antwort auf diese Krise gewesen. Der luxemburgsche Spontaneismus war keine ausreichende Antwort auf den ökonomischen Determinismus, weil das Verhältnis von Ökonomie und Politik nicht systematisiert wurde. Das Konzept der Hegemonie soll genauer erklären, wie diese Verbindung funktioniert.

b) Orthodoxe Antwort
LM fahren dazu zunächst mit einer Kritik des ökonomischen Determinismus fort, den sie an der Theorie von Kautsky erklären. Kautskys Antwort auf die Krise bestünde einfach nur im Wegsehen. Kautsky erscheint hier als Vertreter eines vollkommen orthodoxen Marxismus, der an historische Gesetzmäßigkeiten glaubt, die nur noch angemessen zu offenbaren wären.
Kautskys Perspektive ist die der Simplifizierung. Alle Gegensätze der kapitalistischen Welt würden sich in immer einfacher zu erkennende Seiten entwickeln. Die noch unterschiedlichen Subjektpositionen würden sich durch die Vereinheitlichung des ökonomischen Sektors nach und nach annähern.
Diese Position ist zunehmend unhaltbar geworden. Kautsky reagiert darauf durch eine Verschiebung des Identität der Arbeiterklasse in die Zukunft. Weil das Endziel für Kautsky schon fest steht, kann er mit Selbstsicherheit behaupten, dass überall dort, wo der konkrete Arbeiterkampf diesem Endziel nicht direkt entspricht, der Fehler eben bei dem noch nicht ausreichend entwickelten Bewusstsein der Arbeiterklasse liegt. Nur eine wissenschaftliche Avantgarde könnte dieses Endziel sehen und sollte die Verfolgung auch gegen die Selbstwahrnehmung der Arbeiter durchsetzen.
Wir haben eine Version des sog. Basis-Überbau-Problems vor uns liegen. Dieses Problem ist in den Grundlagen der Marxschen Philosophie verankert: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“. Auf den Klassenkampf gewendet heißt das, dass die ökonomische Position, d.h. die Stellung im Produktionsprozess, das Selbstwahrnehmung, d.h. die Kultur und v.a. die politischen Ansichten der Klassen bestimmt. Aber wie weit geht diese Bestimmung? Wie kleinteilig bestimmt die ökonomische Position die restliche Position einer konkreten Person. Hat die Sphäre der Politik eine Autonomie gegenüber der ökonomischen Position ihrer Protagonisten? Wie lässt sich diese Autonomie begründen? Dieses Problem ist verschieden beantwortet, aber bis heute nie vollständig gelöst worden. Bezeichnend für die orthodoxe Beantwortung dieser Frage ist allerdings, dass die Frage eigentlich gar nicht zugelassen wird. Dadurch entsteht der paradoxe, konservative Charakter dieser Position: Weil man unbedingt nur die „echte“ Revolution anstrebt, ist jede Aktion, die nicht völlig diesem Endziel entspricht, es eigentlich auch nicht wert, unterstützt zu werden. Das Problem, dass die ökonomische Situation nicht zur Revolution führt und dass niemand eine sinnvolle Erklärung dafür hat, woher die Avantgarde ihr Wissen, ihr Interesse und, vor allem, die Möglichkeit hernimmt, den Lauf der Dinge politisch zu beeinflussen – denn der Lauf der Dinge bestimmt ja die Politik – wird gelöst, indem es ignoriert wird. Hegemonie spielt für Kautsky zwar eine Rolle, fällt aber sozusagen einfach nicht in den Zuständigkeitsbereich irgendeines Akteurs.

c) Die Antwort des Revisionismus
Eine weitere Antwort auf die Krise stellt der Revisionismus dar. LM unterscheiden den Revisionismus vom Reformismus. Weder die Frage, ob der Kapitalismus schrittweise abgeschafft werden kann, noch die Frage, ob dieser Übergang gewaltsam oder gewaltlos gestaltet werden kann, noch die Frage, ob man den Kapitalismus überhaupt abschaffen und nicht lieber verbessern sollte, sind entscheidend. Für den Revisionismus ist statt alledem zentral, dass das Primat der Ökonomie vor der Politik aufgehoben wird.
Die Einheit der revolutionären Arbeiterklasse entsteht im Revisionismus nicht mehr von selbst, sondern muss durch eigenständiges agieren der Klasse hergestellt werden. Eduard Bernstein hat diese Autonomie der politischen Sphäre deutlich gemacht. Seine Idee war, die politische Isolation der Arbeiterklasse zu verringern. Das Vehikel, das diese Aufgabe erfüllen sollte, war die Partei.
Damit fällt aber eine weitere Annahme des klassischen Marxismus: Die Annahme der Wissenschaftlichkeit. Wenn Revolution und Arbeiterklasse, d.h. wenn die Entwicklung des Kapitalismus und der Produktivkräfte, d.h. laut Marx das Ordnungs- und Sinnprinzip der Geschichte überhaupt sich nicht von selbst herleitet, sondern von einer Partei hergestellt werden muss, dann schleicht sich an dieser Stelle die Notwendigkeit einer moralischen Entscheidung ein. An dieser Stelle folgt die Geschichte nicht mehr einfach ihrem notwendigen Pfad, sondern jemand, genauer die Mitglieder einer Partei, entscheiden sich ohne Notwendigkeit dazu, den Lauf der Geschichte zu ändern. Das wird folgenreich sein, aber dazu später.
Die Revisionismusdebatte jedenfalls führt diesen Gedanken nicht weiter aus und fällt stattdessen in wesentlichen Punkten doch wieder mit dem Reformismus zusammen. So stehen wir Endes wieder vor einem ähnlichen Problem wie zuvor schon Luxemburg: Wenn die Partei autonom von der Ökonomie die Einheit eines Akteurs herstellt, wer garantiert uns dann, dass dieser Akteur dann die Arbeiterklasse ist? Ohne eine systematische Antwort darauf kann niemand mehr sicher sein, welche Form diese Entwicklung annehmen wird (und ja auch tatsächlich angenommen hat).

d) Die Antwort des revolutionären Syndikalismus
Den nächste Antwortversuch auf die Krise des Marxismus schreiben LM vor allem dem Theoretiker Georges Sorel zu.1 Sorel, sowohl von der Politik des französischen Sozialismus enttäuscht (LM führen als Beispiele die Affäre um Alfred Dreyfus und die Politik des Alexandre Millerand an), als auch skeptisch gegenüber der Annahme eindeutiger Entwicklungslinien des Kapitalismus, führt eine dritte Größe neben Politik und Ökonomie in die Debatte ein: Die Moral. Unter Moral stellt sich Sorel eine Art allgemein-linkes Bewusstsein vor, auch einen ganz banalen Hang zum Schönen, Guten und Gerechten.
Sorels Vorstellung ist, dass so eine Art Moral das Dilemma zwischen Politik und Ökonomie durchbrechen kann. Diese allgemeine, geteilte Moral kann sowohl die Einheit der Klasse trotz faktischer ökonomischer Differenzen, als auch den Klassen-Charakter dieser Einheit garantieren, indem sie sich an den moralischen Empörungen orientiert, die sowieso immer schon auch noch im wissenschaftlichsten Marxismus mitschwingen.
Ein bemerkenswertes Umdenken Sorels (das wohl bis heute wirksam/sinnvoll ist), ist seine Auffassung, im revolutionären Kampf der Arbeiterklasse nicht mehr per se das Primat zuzuschreiben, sondern aufgrund ihrer Möglichkeit zur materiellen Veränderung. M.a.W., für Sorel ist die Arbeiterklasse für die Revolution genau deshalb wichtig, weil sie die relativ größten materiellen Druck- und Gestaltungsmittel hat und dabei am ehesten für revolutionäre Agitation empfänglich ist. Sorel löst das Dilemma, entweder keine Einheit oder keinen Klassencharakter einer Bewegung garantieren zu können dahingehend, dass er den Klassencharakter instrumentell begreift.
Produktion von politischen Standpunkten und vor allem die Produktion von Kultur im allgemeinen ist heute stärker unabhäng von der materiellen Produktion. Das ist ein evidentes Problem. Das bedeutet nicht, dass Sorel an dieser Stelle, oder später LM mit der Priorisierung der Kultur bzw. der Politik vor der ökonomischen Basis Recht behalten müssen – es ist aber wichtig, sich darüber klar zu werden, aus welchen (philosophischen oder anderen) Grundannahmen man seine eigene Position eigentlich speist und das dann auch nutzbar zu machen.
Sorel selbst kommt durch sein Programm zunächst in einige Probleme. Dadurch, dass er die moralische Entscheidung (zu einem besseren Leben, mehr Gerechtigkeit oder dergleichen) bzw. im Sinne von Nietzsche und Bergson einen Willen, zu der Klammer macht, die politischen und ökonomischen Kampf zusammen halten soll, wird das ganze Gebäude nicht unbedingt stabiler: Die Masse müsste sich ja nur anders entscheiden, als Sorel es im Sinn hat, und schon wäre alles verloren. Das tritt dann ja in Gestalt des Faschismus auch tatsächlich ein. Sorel hat hier offensichtlich das Feld des politischen Kampfes unterschätzt. Indem er den politischen Kampf (z.B. für liberale Abwehrrechte) der moralischen Entscheidung unterordnet, hat er einer faschistischen Interpretation, die dann tatsächlich die individuellen Rechte im Staat abschafft (und zwar mit einer ganz anderen moralischen Welt als Endziel vor Augen), Tür und Tor geöffnet. Benito Mussolini persönlich hat sich offen dazu bekannt, von Sorels Werk stark beeinflusst worden zu sein.
Nüchtern betrachtet hat Sorel es versäumt, die funktionale Rolle von Kultur, politischem Kampf und Utopie für die Revolution systematisch darzustellen. Nichtsdestotrotz hat er das Problem, dass es keine genaue Antwort darauf gibt, wie eine angemessene Identität der Arbeiterklasse hergestellt werden kann, zumindest erkannt.
Und hier bestünde, so LM, auch im zeitgenössischen Marxismus eine erhebliche Lücke. Auch hier gibt es keine systematische Antwort auf die Funktion von Kultur und die Herstellung einer revolutionären Einheit mit fortschrittlichem Klassencharakter. Es gibt natürlich eine politische Antwort darauf: Nicht umsonst stehen sich linke und rechte Positionen, anders als der bürgerliche Staat das zuweilen darstellt, diametral gegenüber. Man kann aber mit relativer Berechtigung behaupten, dass dieses sich-Gegenüberstehen nicht nur aus einer divergierenden Analyse des derzeitigen Status der Entwicklung des Kapitalismus, der möglichen Rolle des bürgerlichen Nationalstaats oder aus einer gänzlich unterschiedlichen Klassenlage der jeweiligen Protagonisten entsteht – es sieht vielmehr danach aus, als ob es es tatsächlich einen kulturellen Hintergrund gibt, der die symbolische Einheit der „Linken“ zusammenhält. Es gilt dann, zu fragen, wie man diesen Hintergrund durch geeignete Mittel zum Ausdruck kommen lassen kann.
Sorels Antwort besteht infolge dessen in einer Überhöhung und mythischen Aufladung des revolutionären Syndikalismus. In aufsteigender Reihenfolge Sabotage, Boykott, Streik und, als höchste Form, Generalstreik, seien die Mittel der Wahl. Das ist für Sorel allerdings nicht so sehr praktisch, sondern propagandistisch gemeint: Sorel verfolgt nicht die Illusion eines tatsächlichen, faktischen Generalstreiks, der dann magisch alle Probleme löst. Der Generalstreik (genauso wie Boykott, Sabotage oder einfache Streiks) dient nicht zur faktischen Umwälzung der Eigentumsverhältnisse sondern zur Aktivierung und v.a. inhaltlichen Regulierung der Entwicklung der öffentlichen Meinung. Das heißt: Durch die offene Herausforderung von Gesetz und Ordnung (z.b. durch Sabotage) auch ohne programmatisches Ziel, kann die Masse gegen z.B. nationale Kräfte mobilisiert werden, die ihrerseits diese Ordnung verkörpern. Das kann natürlich in die falsche Richtung ausschlagen, wenn z.B. eine überzogene Sabotageaktion eher das Bedürfnis nach mehr Sicherheit die Masse wieder nach alter Ordnung rufen lässt. Sorels weist allerdings darauf hin, dass dieser Mechanismus, obwohl er fehlgehen kann, nicht einfach ignoriert und durch eine stringente, nüchterne oder demokratische Programmatik verdrängt werden sollte, da auch eine solche Programmatik am Ende des Tages den Klassencharakter des Kampfes ja auch nicht garantieren kann. Eine revolutionäre Bewegung tue also gut daran, diese beiden Seiten, Propaganda und Programmatik, gut überlegt zu trennen. Diese Praxis, d.h. revolutionäre Politik im Sinne des Klassenkampfes zu machen und sich dabei allgemein-linke Identitätsbildungsprozesse auch jenseits der Klassen-Axiome nutzbar zu machen, heißt Hegemonie zu errichten.

Auf diese Weise versuchten LM zu demonstrieren, dass bei verschiedensten marxistischen Autoren ein Konzept der politischen Frontbildung enthalten ist, dass nicht allein aus der Analyse der Klassen, Produktionsverhältnisse und der Entwicklung der Produktivkräfte erklärt werden kann, sondern auf so ungeklärte Konzepte wie Identität, Wahrnehmung und Willen zurückgreifen muss. Im nächsten Teil wird diese Betrachtung und Kritik auf die Theorien von Antonio Gramsci und Leo Trotzki ausgeweitet. Dazu wird versucht, die Funktionsweise von Hegemonie etwas allgemeiner, d.h. philosophisch statt politisch zu erklären. Außerdem wird ein Exkurs zeigen, warum dieses Konzept für den gegenwärtigen akademischen Marxismus so wichtig ist, und inwiefern hier immenses Aktivierungspotential der linken Studentinnenschaft liegt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s