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Gegenaufklärung?


Die Antifa-Gruppe der Berliner Humboldt-Universität (HUmmel-Antifa) ist bekannt für ihre starke Kritik am Postmodernismus. Auf ihrer Website finden sich regelmäßig Beiträge und Veranstaltungen, die sich mit der Verbindung von Poststrukturalismus und deutscher Ideologie befassen. Seit Mai findet sich dort ein Hinweis auf den im Frühjahr 2011 von Alex Gruber und Philip Lenhardt vorgelegten Band Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft vor.

Gesammelt sind darin Aufsätze, die die Verbindungen von Nationalsozialismus, deutscher Ideologie und anti-aufklärerischem Denken einerseits und poststukturalistischer Philosophie andererseits zeigen wollen. Ins Visier genommen werden von den Autoren dabei u.a. Werke von Giorgo Agamben, Jean Amery, Alain Badiou, Georges Bataille, Michel Foucault, Jaques Lacan, Sayyid Qutb und allen vorran Martin Heidegger, dem die Position des entscheidenden Bindeglieds zwischen der Philosophie des dritten Reiches und der Postmoderne zugesprochen wird.

Egal, ob man die Vorwürfe intuitiv für richtig oder abwegig hält, wird man, nachdem die Arbeiten so vorliegen, nicht umhinkommen, sie ernst zu nehmen und zu prüfen. Selbst wenn auch nur ein Körnchen Wahrheit in ihnen liegen sollte, ist es Grund genug, sich intensiv mit ihrer Kritik des Poststrukturalismus auseinanderzusetzen – nicht nur, weil dieses Denken weitreichende Konsequenzen für die akademische politische Philosophie haben, sondern auch, weil sie ganz konkrete praktische Fragen der Tagespolitik (z.B. der Islamismusdebatte oder des Nahost-Konflikts) aufs innerste betreffen.

Ganz besonders muss sich darum bemüht werden, einen gemäßigten Umgangsmodus zu wahren. Die Lager dürften sich zunehmend verhärten – was in Ordnung wäre, schließlich steht einiges auf dem Spiel – aber sie müssen unbedingt im Austausch bleiben. Gegenseitige Vorwürfe, wer den meisten Totalitarismus predigt, können nicht die Lösung der Debatte darstellen.